Die neue EU-Prospektverordnung und ihre Folgen

Der Grund warum in Deutschland für den handelsüblichen Crowd-Investor lediglich partiarische Nachrangdarlehen als Anteile an Start-ups vertrieben werden, liegt hauptsächlich an der Prospektrichtlinie (Richtlinie 2003/71/EG) und deren Umsetzung in Deutschland in Form des Wertpapierprospektgesetzes (WpPG).

Aktuelle Rechtslage

Paragraph 3 Abs. 1 WpPG besagt nämlich, dass für den Vertrieb von Wertpapieren grundsätzlich ein Wertpapierprospekt angefertigt und veröffentlich werden muss. Partiarische Nachrangdarlehen gelten jedoch meist als Vermögensanlagen und sind daher nicht vom WpPG betroffen. Das sagt zumindest mein Verständnis als Laienjurist. Da das Erstellen eines solchen Prospektes extrem teuer ist, wird darauf gerne verzichtet und auf partiarischen Nachrangdarlehen ausgewichen. Für uns als Crowdinvestoren ist das zwar kein Untergang, aber die Mehrheit der Investoren würde es bevorzugen, in „echte Anteile“ in Form von bspw. Aktien zu investieren. Und auch ich habe dafür meine Symptahien 🙂

Die neue Prospektverordnung

Zu unserem Glück arbeitet die Europäische Union gerade an einer Vertiefung der europäischen Kapitalmärkte, die u.a. eine Verbesserung des Zugangs und eine erleichterte Kapitalaufnahme für kleine und mittlere Unternehmen fördern soll. Eine der Maßnahmen zur Verfolgung dieser Ziele ist die Ablösung der oben angesprochenen Prospektrichtlinie durch die Prospektverordnung. Diese hat im Vergleich zur Prospektrichtlinie nach ihrem Inkrafttreten unmittelbare Gesetzeskraft (müsste also nicht durch den deutschen Staat umgesetzt werden) und führt zu einer Harmonisierung der europäischen Prospektregeln.

Einfluss der Prospektverordnung

Im deutschen WpPG gibt es bereits die Ausnahme, dass die Kapitalaufnahme von Beträgen kleiner 100.000 € nicht unter die Prospektpflicht fällt. Diese Schwelle wird durch die Prospektverordnung in Zukunft auf 1.000.000 € angehoben, sprich: In Zukunft kann ein Unternehmen Finanzmittel von 1 Mio. € bspw. über Crowdfunding einsammeln ohne einen Prospekt zu veröffentlichen. Diese Ausnahme kann national sogar noch auf 8 Mio. € angehoben werden.

Während die Prospektverordnung am zwanzigsten Tag nach Veröffentlichung im Amtsblatt der Europäischen Union in Kraft tritt, gilt der Großteil der Regelungen erst 24 Monate später. Die Mindestschwellenausnahme jedoch 12 Monate später, d.h. sollten im Gesetzgebungsverfahren keine Verzögerungen auftreten voraussichtlich Mitte 2018.

Fazit

Die vorgeschlagene Prospektverordnung soll die aktuelle Prospektrichtlinie ersetzen und es Unternehmen vereinfachen Mittel aufzunehmen. Meiner Meinung nach wird dies insbesondere durch die Ausnahme von der Prospektpflicht bei Kapitalaufnahme von weniger als 1 Mio. € auch tatsächlich erreicht werden.

Gleichzeitig bedeutet das für uns Crowdinvestoren, dass nach Inkrafttreten der Verordnung auch in Deutschland Plattformen an den Start gehen werden und Kampagnen für echtes Eigenkapital an Start-ups anbieten werden, was dem Crowdinvesting nochmal einen kleinen Boost geben sollte. Wie ist eure Meinung dazu?

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