Standards für das Investoren-Reporting

Bald ist es wieder soweit! Heute ist der letzte Tag des ersten Quartals 2017. Das bedeutet, dass die ersten Q1 Updates unserer Finanzierungen in den nächsten Wochen eintrudeln werden. Dabei wird der eine oder andere Berichtende sicherlich die Deadline reißen oder in der Qualität nur ungenügend darstellen, was für uns Investoren relevant ist.

Damit dies in Zukunft seltener vorkommt, hat der Bundesverband Crowdfunding Standards für das Investoren-Reporting rausgegeben. Was es damit auf sich hat und wie sich das auf uns Investoren auswirkt, lest ihr im Folgenden.

Der Bundesverband Crowdfunding

Wer ihn noch nicht kennt: Im Bundesverband Crowdfunding haben sich bislang 21 Crowdfunding-Plattformen zusammengeschlossen, darunter u.a. Companisto, Geldwerk1 und FunderNation. Ziel des Verbandes ist es gemeinsame Interessen der Plattformen gegenüber der Politik in Europa, in Deutschland und in den Bundesländern zu vertreten. Zudem arbeiten die Plattformen im Bundesverband zusammen, um gemeinsame Standards zu etablieren. Die aktuellen Best Practices, die sich die Plattformen gegeben haben, findet ihr hier.

Die Standards an das Investoren-Reporting

Vor etwa zwei Wochen haben die im Bundesverband Crowdfunding zusammengeschlossenen Plattformen Standards beschlossen, um zukünftig die Übermittlung der Information der Unternehmen und Projektinhaber an ihre Investoren zu vereinheitlich und zu verbessern.

Die Regelungen machen dabei zeitliche Vorgaben; so hat das Investoren-Reporting mindestens halbjährlich zu erfolgen. Gleichzeitig soll das Reporting spätestens 60 Kalendertage nach Halbjahresende bzw. 90 Kalendertage nach Jahresende berichtet werden. Die Empfehlung des Verbandes lautet jedoch alle drei Monate spätestens 30 Tage nach der Berichtsperiode zu berichten.

Der spannendere Part des Standards betrifft jedoch die Form und den Inhalt des Reportings, denn so heißt es in der Presseerklärung:

„Zu diesem Zweck wurde vom Bundesverband Crowdfunding eine Vorlage für das Reporting der Unternehmen und Projektträger auf den Plattformen an die jeweiligen Investoren entwickelt. Diese Vorlage setzt die Mindeststandards für die Regelmäßigkeit und Inhalte des Investoren-Reportings.“

Wie diese Vorlage aussieht, geht aus der Pressemitteilung und dem Standard zwar nicht hervor, aber es werden gute Vorgaben für Mindeststandards geliefert. So soll bspw. über besondere Ereignisse berichtet werden. Als „Empfehlung“ für Unternehmensfinanzierungen wurden folgende Beispiele als besondere Ereignisse genannt:

  • Erläuterung, falls es Änderungen der Unternehmensbewertung gab,
  • Nennung wichtiger Investoren / Co-Investoren außerhalb des Crowdfundings / Captable,
  • Exitplanung (falls relevant),
  • Veräußerungsbeschränkungen (falls relevant, z.B. lock-up Perioden),
  • Verwässerungsquote bei Folgefinanzierungen,
  • Änderungen im Management-Team.

Meine Meinung dazu

Sollten nicht nur die mittelbar verpflichtenden Standards umgesetzt werden, sondern auch die Empfehlungen flächendeckend in die Verträge eingebettet werden, wäre das großartig. Ich weiß nicht, wie oft ich mich schon geärgert habe und mich hinsetzen musste, um meine neue Anteilsquote zu berechnen. Das wäre damit vergessen. In den letzten Verträgen der Plattformen, die ich mir angeschaut habe, habe ich diesen Detailgrad jedoch nicht gefunden.

Die zweite Frage ist dann, ob sich die Unternehmen daran halten und, was passiert sollten sie es nicht tun. Konsequenzen sind in der Regel daran nicht gebunden. Bei Seedmatch-Verträgen gibt es die Möglichkeit von einem außerordentlichen Kündigungsrecht Gebrauch zu machen, wenn das Startup bei Ausbleiben eines Reportings dieses bis zur Fälligkeit des darauffolgenden Reportings nicht nachholt. Das ist in dem Kontext zwar leicht irrelevant, weil Seedmatch nicht im Bundesverband ist, aber in anderen Verträgen habe ich diese oder ähnliche Konsequenzen bislang noch nicht gelesen. Daher bezweifle ich am Ende weiterhin die Durchsetzbarkeit der Informationspflichten ggü. den Investoren.

Laut Verbandshomepage soll der Standard bereits „für alle Projekte und Unternehmen, die nach dem 01. Januar 2017 auf den im Verband zusammengeschlossenen Plattformen ihre Finanzierung starten, gelten“.

Fazit

Insgesamt finde ich es wichtig hervorzuheben, dass sich etwas entwickelt und bundesweite Best Practices geschaffen werden. Ich sehe das als guten Anknüpfungspunkt für zukünftige Entwicklungen im Crowdfundingbereich, auch außerhalb des Reportings. Der Detailgrad der Empfehlungen gefällt mir bereits sehr gut, aber vielleicht kommt da ja in Zukunft noch mehr. Die Branche ist ja noch jung.

Wie ist eure Meinung dazu? Findet ihr es gut, dass solche Standards geschaffen werden? Hattet ihr euch andere Standards für ein Investoren-Reporting erwartet?

2 Comments

  1. Jens said:

    hallo enrico,

    ich denke – ein guter ansatz, der ausbaufähig bzgl. strafe bei nicht einhaltung des termines ist.

    buon weekend, jens

    31. März 2017
    Reply
  2. Friedemann Lindenthal said:

    Hallo Enrico,
    ich finde es immer wieder interessant so einen Bericht eines Unternehmens zu bekommen, allerdings bringt er mich als Investor in der Regel nicht viel weiter. Die Entscheidung, ob man investiert oder nicht, ist dann ja schon längst getroffen und zumeist auch nicht mehr änderbar. Das Funding ist abgeschlossen und eine Handelbarkeit der Investment gibt es meistens nicht. Sprich man kann sein Investment weder erhöhen noch verringern.
    Eine weitere Entscheidung steht in der Regel nicht an. Wenn es ja so wäre, dass man jederzeit wieder aussteigen könnte und man also anhand der berichteten Entwicklung wieder Entscheidungsmöglichkeiten hätte, so würde es sich natürlich eher lohnen über aktuelle Entwicklungen im Unternehmen im Bilde zu sein. Oder wenn sicher weitere Finanzierungsrunden anstehen würden und man daran interessiert wäre. Oder, oder, oder… ABER es bleibt einem als Investor in den allermeisten Fällen nach der Entscheidung über eine Beteiligung nichts weiter als abzuwarten und zu hoffen.
    Den einzigen positiven Aspekt an den Berichten sehe ich – ähnlich wie bei einer ordentlichen Vorstellung inkl. Business-Plan – dass die Unternehmen gezwungen werden sich analytisch mit sich zu beschäftigen, ggf. anhand von Zahlen Missstände entdecken, Erklärungen für Abweichungen von der Planung finden müssen und ggf. hoffentlich die richtigen Schlüsse daraus ziehen und umsteuern.

    15. April 2017
    Reply

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