Der Einfluss der gesamtwirtschaftlichen Lage auf die Start-up Welt

Ein Themengebiet, mit dem ich mich in meiner Freizeit (neben Start-ups) gerne beschäftige, ist die Makroökonomie (die gesamtwirtschaftliche Lage). Da ich auch erst seit 2011 in Start-ups investiere habe ich auch noch keinen wirtschaftlichen Abschwung als Investor miterlebt.

Dieser wird aber unweigerlich kommen, da sich die Konjunktur zyklisch verhält. Jeder Aufschwungphase folgt in der Regel nun mal auch eine Abschwungphase. Zwar sitze ich nicht jeden Abend in meinem Arbeitszimmer und philosophiere über eine mögliche Rezession, aber ich stelle doch fest, dass wir uns bereits seit langem in einer Aufschwungphase befinden und sich außerdem die Zeichen global verdichten, dass die wirtschaftliche Gegenwart und Zukunft eventuell besser eingeschätzt werden, als das vielleicht angemessen erscheint.

Womit sich für mich die Frage stellt: Was für einen Einfluss hat ein wirtschaftlicher Abschwung auf die Start-up Welt?

  • Die Anzahl der Gründungen steigt: Da mehr Leute ihre Arbeit verlieren oder keine angemessene Arbeit angeboten bekommen, gehe ich davon aus, dass auch mehr Leute das Risiko einer Gründung eingehen. Die Qualität der Innovationen wird aber vermutlich eher stabil bleiben. Nicht jeder, der in einer Rezession gründet, gründet mit einer innovativen Idee.
  • Qualität der Arbeitskräfte nimmt zu: Das bezieht sich nicht generell auf die Arbeiterschaft, sondern vielmehr auf die Kräfte, die einem Start-up dann zur Verfügung stehen. Plötzlich sind großartige Mitarbeiter auf dem Markt, die vorher nicht bezahlbar waren. Zwar werden Toptalente weiterhin gesucht sein, aber vermutlich wird es aufgrund der höheren Bewerberdichte einfacher, an gute Leute heranzukommen.
  • Angel-Finanzierungen nehmen ab: Sobald der Aktienmarkt und evtl. der Immobilienmarkt oder andere Wertanlagen an Wert verlieren, werden Business Angels den Effekt in ihrem eigenen Portfolio spüren und zurückhaltender investieren. Andere Akteure werden eventuell auch ihre Volumina leicht reduzieren, aber Angel dürften am härtesten betroffen sein.
  • Mehr Zombies: Unternehmen, die sich gerade so halten können, aber weder einen guten Gewinn machen noch attraktives Wachstum vorzuzeigen haben, werden zunehmen. Sie sind nicht mehr auf Finanzierung angewiesen, aber bräuchten für einen Wachstumsschub viel Kapital, was zum benötigten Preis nicht auffindbar sein wird, denn ->
  • Unternehmensbewertungen sinken: Da die börsennotierten Wertpapiere an Wert verlieren, werden sie aus puren Renditegesichtspunkten attraktiver als Start-ups. Die Unternehmensbewertungen von Start-up Finanzierungen werden sich daher anpassen müssen.
  • Unternehmen fokussieren sich: Produkte, die auf einem Wachstumspfad sind, werden optimiert, und die nice-to-haves werden erstmal nicht berücksichtigt. Dadurch verengt sich der Fokus, was tendenziell eine gute Sache ist, da Unternehmen mehr Ressourcen in die wichtigen Produkte stecken.

Obige Liste ist sicherlich nicht abschließend und auch nicht hoch wissenschaftlich zusammengetragen worden. Dennoch lassen sich meiner Meinung nach einige gute Schlüsse ziehen. Als Investoren werden wir vermutlich mehr Verluste erleiden, da mehr Zombies ausfallen oder Darlehen zum Nennwert zurückzahlen werden.Andererseits wird sich die Lage für die Unternehmen, die sich aus ihrem eigenen cash flow finanzieren, verbessern, da sie bessere Mitarbeiter finden und sich im Zweifel auf ihre Kerntätigkeit fokussieren. Auch der Dealflow sollte sich verbessern, da mehr Gründungen zu tendenziell niedrigeren Preisen finanziert werden.

Was noch? Welche Effekte hat die Makroökonomie deiner Meinung nach noch auf Start-ups und was bedeutet das ggf. für uns Investoren? Hinterlasse einen Kommentar oder schick mir eine E-Mail an enrico@derstartupinvestor.de.

Schreib als Erster einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.