Companisto und die Lifetime-Beteiligung

Zum Anlass ihres Eigenfundings hat Companisto sein Beteiligungsmodell weiterentwickelt und die Lifetime-Beteiligung eingeführt. Lifetim-Beteiligung bedeutet, dass unabhängig von der Kündigung seitens des Start-ups dem Investor bis zum Lebensende (bzw. sogar darüber hinaus) Gewinnbeteiligungen und ggf. ein Exiterlös zustehen. Was genau die Lifetime-Beteiligung ausmacht und wie ich dazu stehe, könnt ihr im Folgenden nachlesen.

Was ist die Lifetime-Beteiligung genau?

Grundsätzlich funktionieren die neuen Verträge ähnlich wie die alten Companisto-Verträge. Der Investor vergibt ein partiarisches Nachrangdarlehen an ein Start-up und partizipiert an der Unternehmenswertsteigerung, in Form von Gewinnbeteiligungen und einem potentiellen Exiterlös. Der entscheidende Aspekt am neuen Vertrag ist, dass der Anspruch des Investors auf Gewinnbeteiligungen und Exiterlös für 100 Jahre nach Vertragsende weiterlebt. Dieser Anspruch ist sogar vererbbar und nicht etwa an das Leben des Investors gebunden.

Die Lifetime-Beteiligung gilt jedoch nur, sofern die Kündigung durch das Start-up erfolgt. Kündigt der Investor, erhält dieser lediglich seinen Darlehensbetrag inkl. der festen Verzinsung zurück und gibt jede weiteren Ansprüche auf. Im Vergleich zum alten Investmentvertrag, gibt es bei Kündigung auch keinen Bonuszins mehr.

Meine Meinung

Im Großen und Ganzen begrüße ich den neuen Companisto-Vertrag und kann hier auch tatsächlich eine Weiterentwicklung sehen. Die Einführung der Lifetime-Beteiligung führt dazu, dass ein Investor bei einem erfolgreichen Start-up nicht einfach rausgekündigt werden kann und generell weniger Täuschungsmöglichkeiten bestehen. Lediglich im Rahmen eines Exits kann noch gemauschelt werden. Hierzu müssen aber im Regelfall mehr als 50% der Anteile oder der Vermögenswerte bewegt werden und das ist keine Transaktion, die mal im Vorbeigehen durchgeführt werden kann.

Tatsächlich ergeben sich für mich aber durchaus auch Schwierigkeiten aus dem neuen Modell. Im Grunde genommen verliere ich nämlich als Investor alle Vorteile, die mir der alte Vertrag gegenüber echten Unternehmensanteilen geboten hat: Die Möglichkeit zur Liquidierung und Bewertung. Durch die Aufgabe des Bonuszinses nach Kündigung ist das Kündigungsrecht des Investors nicht mehr viel wert. Tatsächlich macht es nur in den seltensten Fällen noch Sinn, den Vertrag zu kündigen. Darüber hinaus kann ich die neuen Companisto-Fundings nicht mehr anhand meines Tools bewerten und auch in Zukunft nicht die Wertentwicklung beobachten. Hier muss ich mir also Gedanken machen und auf eine DCF-Analyse oder Ähnliches umsteigen.

Fazit

Vielleicht hast du es schon rauslesen können: Ich bin ein bisschen zwiegespalten, was den neuen Vertrag angeht. Ich sehe durchaus die Vorteile, die aus der Lifetime-Beteiligung erwachsen, sehe aber auch, dass die Vorteile, die ich in den alten partiarischen Nachrangdarlehen sah, nun nicht mehr vorhanden sind. Lediglich die rechtlichen Nachteile eines Nachrangdarlehens bleiben erhalten.

Ich bin in meinem Denkprozess noch nicht am Ende, aber ich frage mich schon, ob es dann nicht Sinn macht, wieder a) in UK in echte Anteile zu investieren oder b) vermehrt bei Innovestment vorbeizuschauen, die ein wirtschaftlich gesehen ähnliches Beteiligungsmodell fahren, in welchem ich aber meine Investorenansprüche rechtlich besser geschützt sehe.

Was ist deine Meinung zum Lifetime-Beteiligungsmodell von Companisto? Hast du dich damit schon befasst und vielleicht sogar investiert?

2 Comments

  1. Gerhardt said:

    Hallo Enrico,
    muss mich mal wieder bei dir melden, weil ich deine Werbung für Innovestment nicht ganz verstehe. Eine kleine Plattform mit sehr wenigen Projekten, die dann auch noch bei den Anlegern durchfallen wie zuletzt Polarmond. Bei den angekündigten Projekten bleibt es scheinbar bei der Ankündigung. Seafalcon z.B. habe ich schon vor Monaten gesehen und es ist noch immer kein Start erfolgt.
    Was ist los bei denen?
    Viele Grüße
    Gerhardt

    20. August 2016
    Reply
    • Enrico said:

      Hallo Gerhardt,

      du hast natürlich Recht: Der Dealflow auf Companisto ist keineswegs mit dem auf Innovestment zu vergleichen. Das ist sicherlich auch einer der Gründe warum ich bei Innovestment bislang noch nicht investiert habe. Der andere Grund ist aber, dass ich mich bisher auf partiarische Nachrangdalehen mit Bonuszins bei Kündigung fixiert hatte. Hier habe ich für mich einen komparativen Vorteil gesehen. Durch den Wechsel des Beteiligungsmodells bei Companisto bricht aber in dem Bereich die Hälfte des Dealflows weg und verlagert sich zu den eigenkapitalähnlichen Nachrangdarlehen (keine Ahnung, wie ich das definitorisch abgrenzen soll, aber ich denke, jeder weiß, was gemeint ist).

      Deswegen werde ich mir auch auf mittlere Frist Gedanken machen müssen, wie ich die neuen Companisto-Fundings bewerte. Habe ich für diese Art von Beteiligungen eine Methodik entwickelt/ausgesucht, kann ich die dann natürlich auch für Fundings auf Innovestment nutzen. Deswegen würde ich dann vermehrt bei Innovestment vorbeischauen, die bislang mehr oder wenig gar nicht auf meiner Landkarte zu finden waren.

      Um deine abschließende Frage zu beantworten: Was bei denen los ist, weiß ich natürlich nicht, aber ich denke mal, dass es im Wesentlichen das Henne-Ei-Problem ist. Haste keine Projekte, bekommste keine Investoren. Haste keine Investoren, bekommste keine Projekte.

      Hast du schon mal über Innovestment investiert? Deine Erfahrungen würden mich mal interessieren.

      liebe Grüße
      Enrico

      21. August 2016
      Reply

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