Ausfallwahrscheinlichkeiten bei Companisto

Seit ein paar Monaten gibt Companisto bei seinen Fundings eine Ausfallwahrscheinlichkeit (PD) der Start-ups für die nächsten 12 Monate an. Dieser Information sollte man zwar recht skeptisch gegenübertreten, nichtsdestotrotz kann man etwas damit anfangen. Doch wie wird so eine PD überhaupt errechnet?

Berechnung der PD

Im Fall von Companisto wird die PD von der Creditreform bereitgestellt. Die Creditreform nutzt zur Berechnung der PDs ein Scoring System. Dieses Scoring-System verarbeitet aktuelle und historische Daten des Unternehmens, um eine Prognose über das zukünftige Zahlungsverhalten vorherzusagen. Die Merkmale des Scorings werden mit Gewichtungen versehen und einzeln bewertet. Das Ergebnis wird auf eine Skala (hier: dem Bonitätsindex) übertragen. Hiervon kann schließlich eine Ausfallwahrscheinlichkeit abgelesen werden.

Die genaue Merkmalszusammensetzung und die Gewichtung der einzelnen Merkmale variiert je nach Unternehmensform. Unter anderem fließen aber folgende Merkmale in die Bonitätsbewertung mit ein: Jahresabschlussdaten, Branchenrisiko, bisherige Unternehmensentwicklung, Umsatz, Rechtsform, Unternehmensalter, Anzahl Mitarbeiter, usw. Auf diesen Merkmalen gründet die Creditreform die Bonität von Unternehmen. Mehr Details zur Berechnung findest du hier.

Was sagt die PD aus?

Die über die Creditreform berechnete PD sagt aus, wie hoch die Wahrscheinlichkeit eines Ausfalls des Unternehmens innerhalb der nächsten 12 Monate sein soll. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Allerdings lässt sich aus der 12-Monats-PD noch ein weiterer Schluss ziehen, denn die Lifetime-PD (sprich: Ausfallwahrscheinlichkeit für die Gesamtlaufzeit des Darlehens) lässt sich zumindest näherungsweise über die Formel „(1+PD)^y“ berechnen.

Lifetime-PD
beispielhafte Berechnung von Lifetime-PDs

Das bedeutet bspw. für ein Darlehen mit 5jähriger Mindestlaufzeit bei einem Start-up mit einer Ausfallwahrscheinlichkeit von 4%, dass die Lifetime-PD bei Kündigung nach 5 Jahren bei ca. 22% liegen würde.

Welche Schlüsse können wir ziehen und welche nicht?

Die PD-Schätzung ist für Banken bereits bei normalen Unternehmen schwierig. Bei Start-ups aber verändert eine Finanzierungsrunde schon das halbe Unternehmen. Insbesondere weil die effektive Mittelverwendung entscheidend ist. Hinzukommt, dass Banken üblicherweise über mehr Informationen über ihre Kunden verfügen (sollten) als Crowdfundingplattformen. Die Vorhersagequalität der PD dürfte hier also aufgrund der Komplexität und geringeren Planbarkeit noch einmal schlechter sein. Außerdem können wir keine Aussage darüber treffen, wie die Ausfallwahrscheinlichkeiten über die Laufzeit verteilt sind (wobei sie tendenziell am Anfang und am Ende höher sein sollten).

Grundsätzlich ist aber schon anzunehmen, dass die Unternehmen mit höherer 12-Monats-PD auch tatsächlich häufiger scheitern, als diese mit niedriger Ausfallwahrscheinlichkeit. Darüber hinaus gibt uns die obige Formel zumindest ein Grundgefühl dafür in welchem Rahmen sich die Lifetime-PD bewegen sollte.

Fazit

Trotz der begrenzten Vorhersagekraft der PD für Start-ups finde ich es gut, diese zusätzliche Information zur Verfügung gestellt zu bekommen. Auch wenn mir die angegebenen PDs noch ein bisschen zu niedrig erscheinen, werde ich sie bei zukünftigen Investitionsentscheidungen zumindest mitberücksichtigen.

Wie sieht es bei dir aus? Lässt du die PD in deine Investitionsentscheidungen einfließen oder ist es nur eine nette Spielerei? Schreib mir einen Kommentar oder schick mir eine E-Mail an enrico@derstartupinvestor.de.

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