Companisto und das Crowd-Voting

Seit dem Fundingstart von ameria bietet Companisto das Crowd-Voting als zusätzlichen „Sicherheitsmechanismus“ an. Das Crowd-Voting soll das Risiko reduzieren und die Rolle der Investoren stärken.

Was ist Crowd-Voting?

Von den Investments in ameria werden 2/3 direkt an ameria ausgezahlt. Das restliche Drittel wird von einem Treuhänder verwahrt und nur dann ausgezahlt, sofern die Mehrheit der Anleger der Zahlung zustimmt. Um über die Auszahlung zu entscheiden, wurde das Crowd-Voting eingeführt.

Das Start-up kann über den Zeitpunkt der Abstimmung entscheiden. Die Abstimmung muss jedoch spätestens 6 Monate nach Ende des Fundings stattfinden. Der „Sicherheitsmechanismus“ besteht darin, dass bei einem negativen Abstimmungsergebnis das nicht ausgezahlte Drittel der Gelder wieder an die Investoren ausgezahlt wird.

Folgen des Crowd-Votings – Vor- und Nachteile

Wenn es das Start-up schafft, innerhalb von sechs Monaten seine Investoren so dermaßen zu verärgern, dass mehr als 50% gegen die Auszahlung stimmen, dann könnte man das Crowd-Voting als Sicherheitsmechanismus betrachten. In diesem Fall sind die ersten 2/3 der Anlage höchstwahrscheinlich direkt verloren. Bei knappen Abstimmungen wird das sicherlich zu kontroversen Diskussionen in den Kommentarbereichen führen. Zwar sehe ich einen gewissen Grad an Sicherheit, den der Investor durch das Crowd-Voting gewinnt; die Anzahl der Fälle in denen dieser Mechanismus relevant sein wird, halte ich aber für überschaubar.

Das Start-up hingegen wird unter dieser Klausel leiden, denn 1/3 des Fundings zu erhalten oder nicht zu erhalten, wird hier einen großen und vielleicht sogar geschäftsentscheidenden Unterschied machen. Das Start-up sollte sich also durchgehend mit einer Notfallplanung beschäftigen und hat dadurch weniger Zeit für das Kerngeschäft, was sich wiederum negativ auf die Geschäftsentwicklung auswirkt. So gesehen handelt es sich hierbei also auch um einen mittelbaren Nachteil für den Investor.

Ein Vorteil für den Investor ergibt sich dagegen aus dem geänderten Machtgefüge. Dadurch, dass Investoren über die weitere Auszahlung entscheiden, sollte das Start-up möglichst viel daran setzen, seine Investoren von Beginn an zufriedenzustellen. Das Reporting sollte sich also grundsätzlich verbessern. Auch wenn ich dies definitiv als positiven Punkt erachte, würde ich als Investor mein Start-up nicht aufgrund mangelhaftem Reporting in den Tod schicken.

Der „im echten Leben“ offensichtlichste Nachteil ist, dass man erneut mit einer Entscheidung konfrontiert ist. Das hört sich erst einmal albern an, aber wenn man bei Companisto einmal im Monat investieren sollte (was bei der aktuellen Schlagzahl an Fundings sicherlich nicht unmöglich wäre), dann müsste man in Zukunft auch einmal monatlich eine weitere Entscheidung über die finale Auszahlung an das Start-up treffen. Das ist in meinen Augen Zeit, die ich besser verwenden kann. Dafür ist der Zeitraum von sechs Monaten einfach zu kurz.

Fazit

Wenigstens aus dem Subtext sollte man lesen können, dass ich nicht sonderlich begeistert bin vom Crowd-Voting. Meines Erachtens ergeben sich schwerwiegende Nachteile für das Start-up, die nicht ausreichend durch Vorteile auf Seiten der Investoren aufgewogen werden. Je nach Sichtweise handelt es sich sogar um eine wenig renditetreibende (und in den meisten Fällen unnötige) Beschäftigung des Investors. Aus Gesprächen mit anderen Investoren habe ich auch bislang kein einziges positives Feedback erhalten.

Ich würde das Instrument aber nicht bereits jetzt komplett verurteilen wollen. Würde der Zeitraum zum Beispiel von sechs Monate auf 12-15 Monate anwachsen, würde mein Urteil vermutlich anders aussehen. In diesem Fall würde das Start-up von Anfang an mehr Geld aufnehmen und müsste nur noch mit der Ungewissheit leben. Wie ist eure Meinung? Taugt das Crowd-Voting in seiner jetzigen Form etwas?

2 Comments

  1. Florian said:

    Das sich die Plattformen mit dem Thema Anlagesicherheit beschäftigen finde ich gut. Das Ergebniss was dabei rausgekomme ist, kann aus meiner Sicht nur ein erster Schritt sein und hat noch einige, von dir sehr gut beschriebene, erhebliche Schwächen.

    Das Companisto das neue Instrument groß unter dem Schlagwort Sicherheit vermarktet finde ich kritisch. Für mich vermittelt das einfach einen falschen Eindruck.

    7. März 2016
    Reply
    • Enrico said:

      Hallo Florian,

      du hast Recht. Die Absicht, die Anlegersicherheit zu steigern, begrüße ich. Vielleicht stellt sich im Rückblick ja noch heraus, dass das der Anstoß zu einer positiven Entwicklung war 🙂

      VG
      Enrico

      13. März 2016
      Reply

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