Buchrezension: Silicon Valley Investing

Ich habe mir vorgenommen, in Zukunft etwas mehr zu lesen und dann auch über die Bücher zu schreiben, die mit dem Thema Start-up Investments zusammenhängen. Den Anfang macht Silicon Valley Investing von Thomas Rappold.

Thomas Rappold hat Medieninformatik studiert, ist Chef einer Internetberatungs- und Beteiligungsgesellschaft sowie Seriengründer von Internet-Start-ups. Das Buch selber ist in sechs Teile aufgeteilt und die Kapitel stehen mehr oder weniger für sich. Die Übergänge von einem Kapitel zum nächsten sind quasi nicht existent.

Ökosystem und Superinvestoren im Silicon Valley

Nach einer Einleitung in das Silicon Valley Ökosystem um Stanford und die Bay Area, beschreibt Rappold die Geschichte des Silicon Valleys und geht dabei insbesondere auf die verschiedenen Superinvestoren im Silicon Valley ein. Von Arthur Rock und der Erfindung der Risikokapitalindustrie geht es über die PayPal-Mafia zur Sand Hill Road, der Straße, die für ihre Dichte an VC Firmen bekannt ist. Wer an der Geschichte des Silicon Valleys interessiert ist, der wird diesen Abschnitt mögen. Mir war vorher auch nicht bekannt, wie häufig dieser Zyklus vom erflgreichen Entrepeneur zum Investor und Förderer von jungen Unternehmen tatsächlich im Valley durchlaufen wird.

Silicon Valley Unternehmen

Während das Buch bis hierhin gut zu lesen war, ähnelt das Buch ab dieser Stelle leider immer mehr einem Lexikon. Der Autor rattert nun etwas lieblos eine Liste von Unternehmen runter, die aus dem Valley stammen. Er unterscheidet diese in Stalwarts (Apple & Co), Disruptors (Lending Club, Netflix, etc.) und Challengers (z.B. AirBnB und Uber). Bei den Stalwarts und Disruptors handelt es sich um entwickelte, börsengelistete Unternehmen. Die Challenger sind allesamt IPO-Kandidaten und am Anfang ihres ganz großen Wachstumspfads.

Alle genannten Unternehmen werden durch ein einseitiges Firmenprofil beschrieben. Bei den bereits gelisteten Unternehmen geht Rappold außerdem kurz auf die Aussichten der Unternehmen in naher und ferner Zukunft ein. Die Challenger werden mit Daten zu den bestehenden Investoren und Informationen zu den bereits durchgeführten Finanzierungsrunden versehen. Außerdem wagt der Autor jeweils eine Voraussage über einen potenziellen IPO-Termin.

Investmentdienste, Kennzahlen und Newsquellen

Auf den letzten Seiten geht das Buch auf die Investmentdienste im Silicon Valley ein. Es beschreibt die jeweilige Zielgruppe der verschiedenen Plattformen, die Voraussetzungen, die Investoren zu erfüllen haben, und gibt noch einige weitere Informationen. Auch die Newsquellen (u.a. Wired, Techcrunch) werden kurz beschrieben.

Spätestens hier kam mir der Gedanke, dass das Ganze für den durchschnittlichen deutschen Leser herzlich irrelevant ist. Denn um überhaupt investieren zu können, müsste man als akkreditierter Investor über ein Einkommen von 300.000 USD oder ein Vermögen von 1.000.000 USD verfügen. Mal abgesehen davon, dass nicht-börsliche Investitionen in den USA auch noch weitere Implikationen haben.

Das Kapitel, in welches ich schlussendlich meine Hoffnung gesteckt hatte, war Erfolgreich in Technologieunternehmen investieren. Ich muss zwar zugeben, dass ich durchaus etwas gelernt habe in dieser Passage, allerdings hat sich selbst dieser Bereich nur bedingt gelohnt zu lesen. Die Bewertungskennzahlen (Umsatzwachstum, Bruttomarge, Kündigungsraten, etc.) dürften jedem Crowdinvestor bekannt sein. Auch dass SaaS-Unternehmen aufgrund ihrer Skalierbarkeit großartige Investitionen sein können, dürfte dem einen oder anderen bereits aufgefallen sein.

Fazit

Der erste Aufschlag bei den Buchrezensionen ist damit leider misslungen. Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht mehr, wie das Buch den Weg in mein Regal gefunden hat, aber so richtig glücklich bin ich damit nicht geworden, wie ihr gemerkt habt. Das Buch ist vielleicht nicht so schlecht, wie ich es hier mache. Allerdings verstehe ich nicht, wieso man ein Buch publiziert, was den Deutschen erklären soll, wie sie im Silicon Valley investieren könnten, wenn es doch auch hier wesentlich unkompliziertere Möglichkeiten gibt. Empfehlen kann ich euch dieses Buch daher leider nicht.

Habt ihr das Buch gelesen und seid eventuell anderer Meinung? Habt ihr Ideen welches Buch ich stattdessen hätte lesen sollen? Schickt mir eine E-Mail an enrico@derstartupinvestor.de oder hinterlasst einen Kommentar. Bis bald!

Hier geht es zum Buch.

3 Comments

  1. Moe said:

    Ich habe vor 3 Tagen angefangen das Buch „Silicon Valley“ von Christoph Keese zu lesen und bin schon fast bei der Hälfte angelangt. Sehr empfehlenswert. Der Autor beschreibt hier seinen 6-monatigen Aufenthalt, den er im Auftrag seines Arbeitgebers Axel Springer (hierzulande als Star-Up-Investor durchaus bekannt) mit zwei Kollegen plus Familie im Schlepptau absolviert. Während Keese durchs Valley führt und mit bekannten Gründern und Investoren spricht, steht über allem die große Frage, wie Deutschland mit dem Innovationsmotor Kalifornien umgeht und wie wir uns in Zukunft dem stellen können. Sehr spannend beschrieben! Mein Tipp an dich: unbedingt lesen! Ich zumindest hätte gerade trotz Urlaubs im Süden eben Lust meine Koffer zu packen und ins Silicon Valley auszuwandern ?

    20. August 2016
    Reply
    • Enrico said:

      Hallo Moe,

      Silicon Valley kommt gleich auf meine Liste. Im Moment hangel ich mich aber noch an Venture Deals entlang. Das ist zwar eher ein Buch für Business Angels oder tatsächliche VCs, aber auch für Crowdinvestoren interessant, die es gerne mal etwas fachlicher mögen.

      Schönes Restwochenende!
      Enrico

      21. August 2016
      Reply
      • Moe said:

        Da bin ich mal auf deine Rezension gespannt. Das Buch sagt mir nichts, hört sich vom Thema her aber spannend an.

        Gruß
        Moe

        22. August 2016
        Reply

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