Investorenupdates dienen nicht nur den Investoren

Es ist mal wieder soweit. Es ist Berichtssaison! In den meisten Verträgen sind Start-ups verpflichtet sich quartalsweise zu melden und zu berichten, wie das vergangene Quartal gelaufen ist. Investoren sollten regelmäßig geupdated werden. Zum Einen um die Investoren darüber zu informieren wie die aktuelle Lage im Unternehmen aussieht, zum anderen aber auch um den Investoren die Themen aufzuzeigen, an welcher Stelle im Unternehmen sie sich einbringen können. Fast jeder Investor ist froh, wenn er helfen kann, und regelmäßige Kommunikation ist dazu einfach essentiell.

Wie sollte ein Investorenupdate aussehen?

Dabei sollten Investorenupdates nicht nur auf die GuV verweisen, sondern weitere relevante Kennzahlen, wie Liquidität, burn rate, Nutzer-/Kundenzahlen, etc., beinhalten. Auch ein Update, wie es in den einzelnen Unternehmensbereichen (Vertrieb, Produktion, Marketing, etc.) vorangeht, setze ich voraus. Das Wichtigste aber ist, dass die Crowd tatsächlich mit eingebunden wird. Ich glaube, dass „meine“ Start-ups sich noch zu sehr sträuben, konkret und direkt nach Hilfe zu fragen.

Im Großen und Ganzen bin ich mit der Art der Updates, die ich erhalte, zufrieden. Man kann zwar in vielen Bereichen noch an der Qualität schrauben, aber ich verstehe, wenn ein Geschäftsführer sich lieber um die Kunden kümmert, als sich tagelang mit einem Investorenupdate auseinanderzusetzen. Was ich und – wenn man die Diskussionen in den einschlägigen Foren verfolgt – auch viele andere nicht verstehen, ist, dass die Updates konsequent verspätet eingereicht werden.

Verhältnis von Start-ups zu Investoren

Ich habe mich mal hingesetzt und das für meine Start-ups untersucht und an einem Punkt habe ich gedacht, dass es vielleicht daran läge, dass der Zeitraum zur Produktion eines Investorenupdates mit 30 Tagen einfach zu anspruchsvoll angesetzt wurde. Man stellt aber recht schnell fest, dass die meisten Start-ups die Deadline nur um ein paar Tage überziehen; das aber konsequent. An einer zu fordernden Deadline wird es daher wohl kaum liegen. Ich glaube, dass (insbesondere Crowd-) Investoren bei den Gründern einfach zu weit unten auf der Prioritätenliste stehen, als dass die Aufgabe, das Investorenupdate zu schreiben, rechtzeitig mit dem notwendigen Ernst angegangen wird.

Zum Teil kann ich das – wie oben bereits angedeutet – nachvollziehen und mache auch kein Fass auf, wenn der Bericht mit zwei Tagen Verspätung und einer kurzen Begründung für die Nachreichung versandt wird. Viele Start-ups melden sich aber generell nur sehr spärlich und erwecken den Eindruck, dass Sie die Beziehung zu ihren Investoren grundsätzlich nicht verstanden haben. Einige Gründer scheinen Investoren nämlich ausschließlich als wandelnde Geldsäcke wahrzunehmen, die ihren Zweck mit ihrer Investition erfüllt haben und dann nur noch lästig sind. Schließlich muss man sich einmal im Quartal hinsetzen und ein Update schreiben.

Wenn Investoren aber lediglich als Geldgeber angesehen werden, verbaut man sich als Start-up einige Möglichkeiten. Investoren helfen gerne, wenn sie in der Lage dazu sind. Darunter fällt auch eine Folgeinvestition. Eines sollte den Gründern nämlich klar sein: Wenn ich nicht darüber informiert werde, wie es im Unternehmen läuft, obwohl ich einen vertraglichen Anspruch darauf habe, dann werde ich mit Sicherheit nicht noch mehr Geld investieren. Meine Bereitschaft, mich für das Unternehmen an anderer Stelle einzusetzen, sinkt genauso.

Fazit

Investorenupdates sind essentiell für ein gutes Verhältnis zwischen Investoren und Start-ups. Dabei sollten Investorenupdates nicht nur als lästige Pflicht, sondern vielmehr als Werkzeug zur Lösung von Problemen genutzt werden. Ich glaube, dass manche Start-ups hier nicht nur das Verhältnis zu ihren Investoren vernachlässigen, sondern enormes Potential ungenutzt liegen lassen.

Wie ist eure Meinung zu dem Thema? Reporten eure Start-ups immer zum Stichtag? Hinterlasst einen Kommentar oder schickt eine E-Mail an enrico@derstartupinvestor.de.

Ein Kommentar

  1. Florian said:

    Hi Enrico,
    ich sehe das Thema sehr ähnlich wie du. Gleichzeitig habe ich aber auch Startups in meinem Portfolio, die positiv herausstechen, was die Kommunikation und Internatkion mit den Investoren angeht.

    Hier würde mich auch sehr stark mal die Sicht der Startups interessieren. Wie viel Aufwand bedeutet die Erstellung, wie viele der Informationen werden sowieso erhoben/ausformuliert und es handelt sich nur um Copy Paste.

    Für mich ist es auch ein Tool, dass in regelmäßigen Abständen überprüft wird, wo man steht und was die nächsten Schritte sind.

    18. November 2015
    Reply

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