Welche Rendite bringt das Investieren in Start-ups?

Wie im letzten Post bereits angekündigt, möchte ich heute mal meine saubere Renditerechnung nachreichen, denn das ist es, was die meisten Investoren wirklich interessiert: Welche Rendite bringt das Investieren in Start-ups?

Probleme bei der Berechnung

Nun ist die Rendite-Berechnung sehr mühsam, insbesondere wenn man keine oder nur sehr eingeschränkte Cash-Flows und außerdem keine Marktpreise hat. Hinzu kommt, dass es sich um die Berechnung einer Portfolio-Rendite mit verschiedenen Anlagen und verschiedenen Kaufdaten handelt. Bevor ich meine Ergebnisse vorstelle, möchte ich deswegen einen kleinen Disclaimer einbauen, um Theorieschlachten bereits hier entgegenzutreten. Folgendes ist zu beachten:

  • Ich betrachte lediglich meine Seedmatch-Investments. Start-ups, die bis Jahresende 2014 gescheitert sind, sind in der Berechnung enthalten. Von 34 Start-ups sind bisher sieben gescheitert (21%).
  • Es handelt sich hierbei nicht um tatsächliche Renditen, sondern um einen theoretischen Wertzuwachs basierend auf den im Vertrag genannten Multiplen.
  • Betrachtet werden Renditen, die nicht risikoadjustiert sind. Für einen echten Vergleich mit anderen Anlageformen (der hier gar nicht beabsichtigt ist), sollten aber risikoadjustierte Renditen betrachtet werden.
  • Die Rendite ist kapitalgewichtet und nicht zeitgewichtet. Ich habe mich für die kapitalgewichtete Renditeberechnung entschieden, weil die verschiedenen Einzahlungsmomente notwendig sind, um überhaupt in verschiedene Start-ups investieren zu können.
  • Steuern werden nicht betrachtet, da die auf den Wertzuwachs nicht anfallen. Bei dem bisher entstandenen Cash-flow ziehe ich die Kapitalertragssteuer und den Solidaritätszuschlag jeweils ab. Das fällt allerdings nicht groß ins Gewicht.

Ergebnisse

Nun aber zum Wesentlichen: Die Brutto-Gesamtrendite meines Seedmatch-Portfolios liegt bei 0,9%. Annualisiert, ohne irgendwelche Gewichtungen, wären das 0,2%. Da lasse ich die Champagner-Flaschen vorerst mal zu…

Wenn ich mir die Unterscheidung nach stiller Beteiligung und partiarischen Nachrangdarlehen genauer ansehe, dann kann man ein paar interessante Entdeckungen machen. Zum einen scheine ich mit partiarischen Nachrangdarlehen vom ersten Jahr an ordentlich Renditen zu erwirtschaften, zum anderen bin ich aber selbst im vierten Jahr noch nicht im grünen Bereich angekommen, wenn ich die Analyse auf stille Beteiligungen beschränke. Woran liegt das?

Wenn man das alleine am Instrument festmachen wollte, dann kommt man relativ schnell zu der Erkenntnis, dass es bei den stillen Beteiligungen eben auch eine Beteiligung an den Verlusten gibt und man somit extrem von der Gewinn- und Verlustrechnung der Start-ups abhängig ist. Bei partiarischen Nachrangdarlehen hingegen ist das nicht der Fall. Die unterschiedlichen Eigenschaften der Instrumente sind ein wesentlicher Grund. Von daher war der Wechsel von stillen Beteiligungen auf partiarische Nachrangdarlehen für Investoren sicherlich lukrativ. Das alleine erklärt es aber meines Erachtens noch nicht.

Man muss auch bedenken, dass die Start-up Auswahl und Bepreisung auf Seedmatch weit besser geworden ist. Wo früher im Business-Plan nur einmal die Skalierbarkeit betont werden musste um Millionenbewertungen zu rechtfertigen, sind wir aktuell in realistischeren Gefilden angekommen.

Wie kann zukünftig tatsächlich Rendite erwirtschaftet werden?

Ich denke aber weiterhin, dass es nachlässig wäre, „einfach so“ mal in Start-ups zu investieren, wie ich das selber früher gemacht habe. Mit der Absicht, meine Rendite zu erhöhen, habe ich mich mal hingesetzt und mir eine (relativ simple) Bewertungsmethodik zusammengebastelt. Wie die aussieht, werde ich ab nächster Woche beschreiben.

Bis dahin lasst doch einen Beitrag in den Kommentaren, wie ihr eure Fundings bislang ausgewählt habt und was eure bisherigen Erfahrungen beim Investieren in Start-ups sind. Alternativ könnt ihr mir auch eine E-Mail an enrico@derstartupinvestor.de schicken.

Hier gehts zum Performance-Update 2015.

2 Comments

  1. Florian said:

    Hi Enrico,

    da hier Seedmatch only aufgeführt ist drängt sich mir sofort eine Frage auf.
    „Wie sieht es mit den Aktien bei Seedrs aus?“
    Kannst du hier schon sehen, in welche Richtung es geht?

    10. August 2015
    Reply
  2. Enrico said:

    Hallo Flo,

    bei den Anteilen auf Seedrs fehlt es mir leider an vernünftigen Bewertungsmethoden. Lediglich dort, wo es weitere Finanzierungsrunden gab, habe ich die neue Bewertung übernehmen können. Da diese Fälle aber bislang noch nicht so häufig waren, habe ich meine Seedrs-Anteile bewusst draußen gelassen. Das Einzige, was vielleicht noch interessant ist: Bei Seedrs hatte ich seit 2013 noch keinen Totalverlust (soll allerdings nicht heißen, dass es dort unwahrscheinlicher ist).

    10. August 2015
    Reply

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