Was sind eigentlich partiarische Nachrangdarlehen und welche Vor- und Nachteile haben sie?

Das Investieren in Start-ups erfolgt in Deutschland hauptsächlich über partiarische Nachrangdarlehen, doch was für ein Instrument ist das eigentlich überhaupt?

Der Begriff „partiarisches Nachrangdarlehen“ hat drei wesentliche Bestandteile. Wenn man dabei von hinten nach vorne durchgeht, erkennt man, dass es sich in erster Linie um einen Kredit handelt. Als Investor überlasse ich also meinem Kontraktpartner für einen vorübergehenden Zeitraum einen gewissen Geldbetrag und erhalte dafür Zinsen.

Das Präfix Nachrang bedeutet, dass meine Darlehensforderung im Vergleich zu anderen Forderungen dritter Parteien im Rang zurückgestellt ist, d.h. sollte es zur Insolvenz des Kontraktpartners (hier: dem Start-up) kommen, kann man davon ausgehen, dass etwaige Rückflüsse aus der Insolvenzmasse ausschließlich dritten Parteien zu Gute kommen. Das Wort „partiarisch“ bedeutet, dass mein Ertrag als Investor von der Performance des Unternehmens, in welches ich investiert habe, abhängig ist. Als Rückzahlung erhalte ich einen Betrag in Abhängigkeit vom Umsatz oder des Gewinns des Unternehmens.

Nachteile des partiarischen Nachrangdarlehens

Ich nehme an, dass ich euch partiarische Nachrangdarlehen bis hierhin nicht gerade schmackhaft gemacht habe. Offensichtlich ist: Als Investor habe ich monetär eine ähnliche Stellung wie der Gesellschafter, habe aber nicht die Informations- und Kontrollrechte eines Gesellschafters und natürlich auch keine Mitbestimmung.

Außerdem sind die Aktie (sowie GmbH-Anteile) und ihre Eigenschaften gesetzlich im Aktiengesetz geregelt, wohingegen das partiarische Nachrangdarlehen flexibler in seiner Ausgestaltung ist, d.h. die meisten Eigenschaften des Darlehens sind im Darlehensvertrag geregelt. Mal so unter uns… Ich bin kein Jurist, aber bevorzuge generell eine gesetzliche Regelung des Finanzinstruments, um Rechtssicherheit zu haben.

Und was sind die Vorteile?

Ich hatte bereits angedeutet, dass ich meine Investitionstätigkeit in Deutschland stark eingeschränkt und nur noch in UK investiert hatte, weil Plattformen wie Seedrs dort echte Unternehmensanteile anbieten. Ich bereue den Schritt auch keinesfalls, aber partiarische Nachrangdarlehen haben meiner Meinung nach einen besseren Ruf verdient. Ich gehe sogar so weit zu sagen, dass sie in Abhängigkeit von der jeweiligen Anlagestrategie mindestens genauso gut sind wie Aktien.

Ein großer Vorteil ist die Transparenz in der Bewertung. In der Regel ist die Bewertung vertraglich geregelt und für jeden, der einen Taschenrechner bedienen kann, nachvollziehbar. Das macht den Zeitwert des Anteils transparenter, weil die Forderung gegenüber dem Unternehmen beziffert werden kann. Bei einer Aktie ohne einen eigenständigen Markt ist die Bewertung wesentlich schwieriger.

Der zweite große Vorteil ist die Liquidierbarkeit. Durch die Möglichkeit, das Darlehen zu kündigen, kann ich ab einem gewissen Zeitpunkt meine Forderung einfach auszahlen lassen, wohingegen ich für eine Aktie zwingend einen Käufer finden muss. Ehrlicherweise sei hier aber auch erwähnt, dass das Start-up seinerseits auch dazu berechtigt ist, ab einem gewissen Zeitpunkt das Darlehen zu kündigen und zurückzuzahlen, was ein Nachteil ist, wenn ich lieber investiert bleiben möchte. Dies kann einem bei einer Aktie nicht passieren.

Theoretische Vorteile des partiarischen Nachrangdarlehens

Darüber hinaus haben partiarischen Nachrangdarlehen zwei weitere Vorteile, die allerdings eher theoretischer Natur sind. Erstens: das Darlehen wird zu pari zurückgezahlt wird, d.h. im Falle einer schlechten Entwicklung des Unternehmens verliert das Darlehen nicht an Wert und man erhält den Nominalwert plus Zinsen zurückgezahlt. Aktien haben einen solchen „Schutz“ nicht. Allerdings ist es in so einem Fall unwahrscheinlich, dass das Unternehmen überhaupt irgendwas zurückzahlen kann (daher theoretisch).

Hinzu kommt, dass im Falle einer Insolvenz die Darlehensgeber vor den Aktieninhabern Zugriff auf die Insolvenzmasse haben. De facto kann man aber davon ausgehen, dass bei jungen Unternehmen für beide Gruppen keine Rückflüsse aus der Insolvenzmasse zu erwarten sind.

Deswegen sei an dieser Stelle auch noch einmal klar und deutlich gesagt: Partiarische Nachrangdarlehen sind mit einem hohen Risiko behaftet. Totalverluste sind keine Seltenheit. Nur, wer den Verlust des eingesetzten Kapitals vertragen kann, sollte in solche Anlagen investieren.

Fazit

Mit partiarischen Nachrangdarlehen kann ich in junge deutsche Unternehmen investieren, was anderweitig nur mit hohem Aufwand zu ermöglichen wäre. Dabei haben partiarische Nachrangdarlehen weit mehr Vorteile, als man denkt. Je nach dem was für eine Anlagephilosophie ein Investor verfolgt, kann ein Investment in ein partiarisches Nachrangdarlehen besser für ihn geeignet sein als ein Aktieninvestment in dasselbe Unternehmen.

Was ist eure Meinung zu dem Instrument? Seht ihr weitere Vor- und Nachteile? Schreibt es in die Kommentare oder schickt mir eine Nachricht an enrico@derstartupinvestor.de.

2 Comments

  1. Peter Reiff said:

    Hallo Enrico, danke für die Arbeit, die Du machst. Ich bin auch in über 100 Crowd-Projekten investiert und versuche eine Mischung aus Crowdlending- und Crowdinvesting-Projekten hin zu bekommen. Wenn man Crowdlending-Projekte darunter mischt, kann man dann besser mit der Rendite kalkulieren.

    Grüße

    Peter

    9. September 2015
    • Enrico said:

      Hallo Peter,

      vielen Dank für dein Lob. 100 Crowd-Projekte sind ja echt mal eine Hausnummer. Im Crowdlending bin ich auch aktiv. Ich schicke dir mal eine E-Mail zu dem Thema 🙂

      Beste Grüße
      Enrico

      10. September 2015

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