4 Schritte zum erfolgreichen Investieren in Start-ups – Teil 2

Letzte Woche habe ich euch meinen ersten Schritt zum erfolgreichen Investieren in Start-ups beschrieben. Die quantitative Analyse – lediglich basierend auf Planzahlen – ist zwar mit erheblicher Ungewissheit verbunden, aber am Ende spielt man ein bisschen mit den Zahlen und es kommt zumindest etwas Greifbares heraus. Wenn das Start-up den ersten Schritt gemeistert hat, komme ich zur qualitativen Analyse.

Qualitative Bewertung

Bei einer qualitativen Bewertung ist das wesentlich schwieriger. Insbesondere, wenn man mit den Gründern selbst nie gesprochen hat. Im persönlichen Gespräch bekommt man ja doch einen besseren Eindruck von einem Team als durch ein Video, einen Business Plan und evtl. Antworten auf online gestellte Fragen. Das Dilemma wird man meines Erachtens auch nicht endgültig auflösen können (auch nicht über moderierte Events), aber vielleicht können wir uns auch mit einer qualitativen Analyse einen zusätzlichen Vorteil verschaffen.

Vorgehensweise

Hierfür habe ich mir einen modular aufgebauten Fragebogen zusammengeschrieben – der sehr simpel und sicherlich noch nicht im Endstadium ist – mit dem ich zumindest ein paar Aussagen zum Geschäftsmodell abklopfen möchte.

Das Team aus der Ferne zu beurteilen fällt mir etwas schwerer. Ich habe zwar ein paar Ideen, aber so richtig wohl dabei fühle ich mich nicht, weil doch eine große Ungewissheit über die Treffsicherheit meiner Annahmen vorhanden ist. Schließlich versuche ich hier Menschen und deren Zusammenarbeit zu beurteilen ohne sie jemals gesprochen oder gar getroffen zu haben. Meine Beurteilung basiert alleine auf den CVs und der Art und Weise, wie ich den Business Plan lese. Lohnt es sich dann überhaupt noch, Aussagen über das Team zu treffen? Falls nein, ist das nicht ein großer Nachteil für uns?

Was ist wichtiger? Jockey oder Pferd?

In der VC-Welt wird die Frage, ob uns die höhere Ungewissheit bei der Beurteilung eines Teams wesentlich benachteiligen würde, geradezu religiös debattiert. Dort heißt es etwas metaphorisch: Was ist wichtiger, Jockey (Team) oder Pferd (Geschäftsmodell)?

Das soll natürlich nicht heißen, dass der Rest unwichtig ist. Die Frage ist lediglich, worauf sollte ich mich eher einlassen? Ein starkes Team mit einem schwachen Geschäftsmodell oder einem schwachen Team mit starkem Geschäftsmodell? Am besten wäre natürlich wenn beides großartig wäre, ich weiß…

Glücklicherweise wurde diese Frage schon einmal wissenschaftlich untersucht. Steven Kaplan von der University of Chicago hat sich dieser Frage zusammen mit Berk Sensoy und Per Strömberg angenommen und ist zu dem Ergebnis kommen, dass im Zweifel das Geschäftsmodell die entscheidende Komponente ist. Wer an der Vorgehensweise und Schlussfolgerungen der drei interessiert ist, findet hier das entsprechende Paper aus dem Journal of Finance.

Wenn wir uns statt auf Akademiker lieber auf Erfahrungen aus der Praxis verlassen möchten, dann schauen wir uns doch einmal an, was Vorzeige-Investor Warren Buffet zu dem Thema einmal gesagt hat:

„When a management team with a reputation for brilliance tackles a business with a reputation for bad economics, it is the reputation of the business that remains intact.”

Schlussfolgerung

Auf beiden Wegen kommen wir zum Ergebnis, dass das Geschäftsmodell die wichtigere Komponente ist. Das bedeutet im Umkehrschluss nicht, dass das Team nicht entscheidend wäre. Ein gutes Team ist wichtig und wertstiftend. Die Schlussfolgerung, die ich für mich aber ziehe, ist, dass ich mich bei der qualitativen Analyse mehr auf das Geschäftsmodell konzentriere, weil ich erstens meine Analyse auf einer solideren Basis aufbauen kann und zweitens, weil Fehlannahmen bei der Beurteilung des Managements in der Performance der Anlage weniger stark ins Gewicht fallen sollten.

Der finale Schritt

Wenn das Start-up auch qualitativ überzeugt, folgen noch zwei kurze Checks. Einerseits werfe ich einen Blick auf mein existierendes Portfolio und analysiere, ob das Start-up hineinpasst oder nicht, und abschließend schaue ich noch einmal in den Vertrag, um böse Überraschungen soweit wie möglich zu vermeiden.

Bis dahin bin ich gespannt auf eure Kommentare. Nutzt ihr qualitative Analysen für eure Investmententscheidungen? Wenn ja, wie sehen diese aus? Schreibt es in die Kommentare oder schickt eine E-Mail an enrico@derstartupinvestor.de.

Hier geht es zu Teil 3

4 Comments

  1. Marius said:

    Interessant – ich muss zugeben, dass ich bis jetzt eher das Team für wichtiger gehalten habe… Dabei haben mich vor allem die Essays von Paul Graham beeinflusst: http://www.paulgraham.com/articles.html.
    Wer nun Recht hat… ?!

    Ansonsten will ich mich wiederholen – interessant aber zu oberflächlich. Mehr Detail und Fachwissen wäre nicht schlecht, das ist es was mir fehlt in Netz. So leichte Koste findet man eher… Aber vielleicht bin ich ja auch nicht die Zielgruppe.

    3. September 2015
    Reply
    • Enrico said:

      Hallo Marius,

      erst einmal vielen Dank für deine Kritik. Ich nehme das gerne auf. Zum Fachlichen:
      Es gibt, wie du schon sagst (und ich auch im Artikel anmerke), diese beiden Standpunkte. Nur weil es jetzt eine Studie gibt, die meines Erachtens gar nicht schlecht „nachweist“, dass das geschäftsmodell wichtiger ist, bedeutet das ja nicht, dass das die reine Wahrheit ist. Ich probiere natürlich trotzdem darauf zu achten, dass alles passt. Nur die Unschärfe beim Gründerteam erachte ich beim Crowdinvesting eben als sehr hoch. Deswegen darauf zu verzichten wäre aber natürlich falsch.

      Beste Grüße
      Enrico

      10. September 2015
      Reply
  2. Florian said:

    Mich würde interessieren, wie dein Fragebogen aussieht. Wärst du bereit den mit uns zu teilen?

    3. September 2015
    Reply
    • Enrico said:

      Hallo Florian,

      ich schicke dir meinen Fragebogen gleich mal rüber. Der ist im Moment noch starken Veränderungen, daher werde ich ihn hier (noch) nicht veröffentlichen.

      Beste Grüße
      Enrico

      10. September 2015
      Reply

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