4 Schritte zum erfolgreichen Investieren in Start-ups – Teil 1

Bis vor einiger Zeit habe ich meine Investmententscheidungen aus dem Bauch heraus getroffen. Meistens habe ich mir einfach nur den Pitch des Start-ups angesehen und mich dann entschieden, ob mir die zugrundeliegende Idee gefällt oder nicht. Da das bislang nicht von Erfolg gekrönt war, möchte ich mir von nun an beim Investieren in Start-ups genauso viel Mühe machen, wie ich das bisher auch mit anderen Anlageformen (insbesondere Aktien) getan habe.

Dafür habe ich mir einen vierstufigen Prozess überlegt. Ich beginne mit einer quantitativen Analyse, ob die aktuelle Bewertung des Start-ups in Verbindung mit den Planzahlen zu einem zufriedenstellenden Investmenterfolg führen könnte. Danach lege ich qualitative Kriterien zugrunde und beschäftige mich mit dem Geschäftsmodell. Als vorletzten Schritt schaue ich mir mein aktuelles Portfolio an und analysiere, ob das vorliegende Start-up reinpasst oder nicht. Als krönenden Abschluss beschäftige ich mich mit dem Vertrag, um zu verstehen auf was ich mich tatsächlich einlasse.

4 Schritte zum erfolgreichen Investieren in Start-ups

Die quantitative Analyse

Das Bewerten von Start-ups ist definitiv abhängig vom Geschäftsmodell. Ein traditionelles Konsumgütergewerbe sollte prinzipiell anders bewertet werden als ein hochinnovatives Technologie- oder Online-Business. Warum? Weil komplett andere Risiko-Ertrag-Verhältnisse herrschen: Während die Wahrscheinlichkeit der Pleite beim Konsumgütergewerbe definitiv vorhanden ist, ist sie beim Technologie- oder Online-Business – was zu Beginn vermutlich gar keine Umsätze erwirtschaften kann, weil das Produkt noch nicht fertig ist – immens hoch. Im Gegenzug ist die Renditehöhe bei letzterem aber im Erfolgsfall auch umso höher.

Deswegen ist es grundsätzlich wichtig verschiedene Dimensionen der Bewertung zu berücksichtigen. Da wir aber in der Regel wenig Zeit und Geld haben, besinnen wir uns auf ein paar simple Methoden aus der VC-Welt.

Vervielfachung des Investments

Je nach Quelle werden VCs verschiedene Renditehorizonte in den Mund gelegt. Eine Verzehnfachung des Anfangskapitals wird aber meistens als Untergrenze des Renditehorizonts angesehen. Das hört sich erst einmal vermessen an, aber um eine Vielzahl an Totalausfällen verkraften zu können, sollte eine Verzehnfachung zumindest theoretisch machbar sein. Doch wie berechne ich das Potential eines Start-ups?

Ich bleibe hier recht simpel und nehme die Planzahlen für die verfügbaren Jahre und modelliere dann die restlichen Laufzeitjahre bis zum erstmöglichen Kündigungstermin des Start-ups. Denn bis dahin möchte ich spätestens meine Rendite eingefahren haben, um nicht kurz vor dem Durchbruch rausgekündigt zu werden.

First Chicago Method

In einem zweiten Schritt gehe ich nach einer Variante der First Chicago Method vor. Die First Chicago Method beinhaltet üblicherweise drei Szenarien (best case, base case, worst case). Aus diesen drei Szenarien wird jeweils ein potentieller Investmenterfolg errechnet und mit einem Wahrscheinlichkeitsgewicht belegt.

In meiner Abwandlung strebe ich eine Zielrendite von > 20 % p.a. an. Als best case scenario verwende ich die Planzahlen mit meiner Modellierung bis zum erstmöglichen Kündigungstermin des Start-ups. Der base case ist eine Modellierung der Planzahlen, in der ich die Wachstumsquoten verringere und Gewinnbeteiligungen außer Acht lasse. Der worst case ist der offensichtlichste Fall: Hier gehe ich vom Totalverlust aus.

Fazit

Wenn das Start-up diese beiden quantitativen Checks überstanden hat, beginne ich mit der qualitativen Analyse. Wie die aussieht, werde ich nächste Woche berichten.

Bis dahin bin ich gespannt auf eure Kommentare. Nutzt ihr quantitative Analysen zur Bewertung für eure Investmententscheidungen? Wenn ja, wie sehen diese aus? Schreibt es in die Kommentare oder schickt eine E-Mail an enrico@derstartupinvestor.de.

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5 Comments

  1. Marius said:

    Guter Blog, interessiert mich. Werde weiterverfolgen…

    Bei der Bewertung fehlt für mich der wichtigste Punkt, nämlich die Eintrittswahrscheinlichkeit… Wie bestimmst du diese?
    Wäre gut wenn du deine Methoden etwas ausführlicher beschreiben würdest, ist zu sehr verkürzt für mich.
    Ausserdem bin ich mor nicht sicher ob Totalausfall als Worst Case wirklich gut gewählt ist, weil es auf jedes StartUp zutrifft und du so mit kein wirkliches Unterscheidungskriterium betrachtest. Ich nehme die Planzahlen als Best Case und konstruierte dann ein Worst Case…

    Würdest du vielleicht dein Tool veröffentlichen, oder ist es zu viel verlangt?

    Danke und weiter so…

    23. August 2015
    Reply
    • Enrico said:

      Hallo Marius,

      danke für das Feedback! Die Eintrittswahrscheinlichkeit habe ich absichtlich nicht erwähnt. Aus zwei Gründen:
      a) Soll der Post erst mal nur einen Überblick geben,
      b) bin ich mir da noch nicht sicher, ob ich bei den aktuellen Wahrscheinlichkeiten bleibe.
      Zur Zeit arbeite ich mit 10%, 50% und 40% (von best- zu worst-case). Das Ganze basiert auf meinen bisherigen Erfahrungen und einer Schätzung, wie es nach einem vollen Investitionszyklus aussehen könnte.
      Ich verstehe leider nicht 100%ig, wieso der Totalverlust kein guter worst case sei. Kannst du das vielleicht noch einmal erläutern? Du kannst mir auch gerne schreiben, wie du vorgehst.
      Das Tool kann ich gerne veröffentlichen. Bevor ich das mache, muss ich aber noch ein bisschen polieren. Ich schreibe einfach mal einen Post, wie ich genau vorgehe und hänge das Tool als Download dran. Es ist mir aber auch wichtig, dass es nicht zu komplex wird, weil es nur ein Indikator sein soll und schnell pseudo-wissenschaftlich wird.

      Beste Grüße
      Enrico

      26. August 2015
      Reply
      • Marius said:

        Hi, danke für die Antwort.
        Zu der Sache mit dem Worst Case :
        1) Wenn ich es richtig verstanden habe sind die einzigen Parameter die du für jedes StartUp berechnest/änderst die Rendite (eine für Best, eine für Normal und eine für WorstCase). Die Parameter für die Eintrittswahrscheinlichkeit sind für alle Firmen gleicht! Oder änderst du diese jeweils für jedes StartUp? Wenn ja nach welchen Kriterien?

        2) Ich ändere sie nicht und in diesem Fall ist das Produkt Wahrscheinlichkeit x WorstCase Rendite für alle Firmen gleich, weil eben die WorstCase Rendite immer dieselbe ist, nämlich = 0.
        Und wenn es immer gleich ist, kannst du es auch weglassen, weil es eben auch kein Kriterium darstellt…

        Aber wahrscheinlich habe ich deine Erklärung nicht richtig verstanden…

        3. September 2015
        Reply
        • Florian said:

          Hi Marius,

          ich hatte Enrico so verstanden, dass ein startup eine rechnerische mindestrendite erzielen soll. Daher sehe ich es als unbedingt notwendig die Option Totalverlust zu berücksichtigen.

          Ginge es nur um einen Vergleich welches investiert ist besser hast du natürlich recht.

          3. September 2015
          Reply
        • Enrico said:

          Hallo Marius,

          danke für deine Antwort. Genau, die Eintrittswahrscheinlichkeiten sind bei mir generell fixe Parameter. Das Problem ist, dass ich keine vernünftige Datenbasis habe, um dass nach verschiedenen Start-ups zu unterscheiden. Tatsächlich sind die aktuellen Eintrittswahrscheinlichkeiten ja auch nur meine eigene Einschätzung auf Basis der unvollständigen Zeitreihe, die ich vorliegen habe.
          Zu 2. hast du Recht: das Produkt ist im Worst Case immer 0. Zur Berechnung der Mindestrendite muss ich diese trotzdem berücksichtigen (0,1*best case+0,5*base case+0,4*worst case), um 100% der Szenarien abzudecken. Natürlich könnte ich statt „0,4*worst case“ auch einfach „0“ schreiben. In der Renditeberechnung macht es aber dennoch einen Unterschied, ob der Worst Case ein Totalausfall ist oder ob selbst im Worst Case noch ein gewisser Ertrag zu erwarten ist.

          Beste Grüße
          Enrico

          9. September 2015
          Reply

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